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25.07.

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Rückkehr nach Island – was sich nach fünf Jahren verändert hat

Island, oder auch die Insel aus Feuer und Eis, ist eine 103.000km² große Insel im Nordatlantik. Bekannt geworden ist sie im Jahr 2010 durch den Ausbruch des Eyjafjallajökulls, durch den es zu einer nie dagewesenen Beeinträchtigung des Luftverkehrs in ganz Europa kam. Bei der EM 2016 sorgte die isländische Nationalmannschaft durch Kampfgeist und viel Herz für Furore – und die Fans durch ausdauernde Huh-Rufe. Mich persönlich begeistert Island bereits, seitdem ich dort im Jahr 2009 für ein halbes Jahr gelebt und studiert habe. Sieben weitere Male bereiste ich das Land, an das ich mein Herz vermutlich für immer verloren habe.

In diesem Jahr flog ich Ende Mai für acht Tage auf die Insel. Unter dem Motto „Zurück zum Anfang“ bereiste ich den Süden, den ich zuletzt vor fünf Jahren gesehen hatte. Die ersten zwei Tage verbrachte ich in Reykjavík. Als Hauptstadt ist Reykjavík verhältnismäßig klein, aber die etwa 120.000 Einwohner machen die Stadt zu etwas ganz Besonderem. Ich liebe die vielen kleinen, farbenfrohen Häuser, die Kultur und die Kunst. Festivals, Live-Musik und kleine ganz private Läden gibt es nirgends so viele wie dort. Wer nur kurze Zeit in Reykjavík ist, sollte auf jeden Fall die Hallgrímskirkja (die größte Kirche Islands und Wahrzeichen von Reykjavík), die Harpa (das Opernhaus) und den Tjörnin (der bekannteste See in Reykjavík) besichtigen sowie auf dem Laugavegur shoppen gehen.

Island_Reykjavik
Reykjavik

Zwei Tage nach der Ankunft fuhr ich langsam Richtung Süden. Der Süden Islands ist sehr vielfältig und besticht durch zahlreiche Naturattraktionen auf engstem Raum. Begonnen hat die Tour mit einem Abstecher zum Golden Circle. Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich die drei Ausflugsziele Þingvellir, Gullfoss und der Geysir. Þingvellir ist ein Nationalpark etwa 23km östlich der Hauptstadt, in dem die Plattengrenze eindrucksvoll sichtbar wird. Besucher können sich zwischen der Eurasischen und der Amerikanische Platte hin und her bewegen. Der Wasserfall Gullfoss ist der meistbesuchte Wasserfall des Landes. Über zwei Kaskaden stürzt das Wasser 32m in die Tiefe. Der Geysir, welcher der Namensgeber für geothermale Quellen dieser Art weltweit ist, war einst die berühmteste Attraktion Islands und begeisterte die Besucher mit einer bis zu 80m hohen Fontäne. Durch unterschiedlichste Einflüsse ist ein Ausbruch nur noch selten zu bestaunen. Der wenige Meter entfernte Geysir Strokkur bietet mit seiner 25 bis 35m hohen Fontäne einen guten Ersatz, da er etwa alle zehn Minuten ausbricht.

Island-Geysir
Geysir Strokkur

An dieser Stelle möchte ich kurz auf das Thema Tourismus eingehen: Island wird von Jahr zu Jahr von immer mehr Touristen bereist, und der rapide Anstieg der Besucherzahlen scheint anzuhalten. Da Island nicht unbedingt das ungefährlichste Reiseziel ist, hat sich in den letzten Jahren einiges verändert, um sowohl die Touristen als auch die Natur zu schützen. Absperrungen, Gitter gegen Bodenerosion, Warn- und Hinweisschilder und sogar die Sperrung von ganzen Bereichen wurden eingeführt. Vor fünf Jahren war der Süden Islands noch wesentlich natürlicher und weniger gesichert als heute. Auf der einen Seite bin ich froh, Island noch im relativ ursprünglichen Zustand erlebt zu haben, auf der anderen Seite ist es natürlich wichtig, Maßnahmen zur Sicherung zu treffen.

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Von links: Valley of Reykjadalur, Seljalandsfoss, Skógafoss

Eines meiner persönlichen Highlights im Süden ist das Valley of Reykjadalur. Nach einem etwa einstündigen und kräftezehrenden Aufstieg erreicht man einen natürlichen warmen Fluss, in dem man baden kann. An der obersten Stelle beträgt die Temperatur etwa 45 Grad. Je weiter unten man einsteigt, desto kälter wird es. Nach einem ausgiebigen Bad fuhr ich weiter Richtung Süden und erreichte den Seljalandsfoss (Brautschleierwasserfall). Dieser kann auf einem kleinen Pfad komplett umrundet werden, wobei Wanderschuhe und Regenjacken empfehlenswert sind. Auch der Skógafoss ist ein beeindruckender Wasserfall, der über einen anstrengenden Aufstieg von oben besichtigt werden kann. Der Sólheimajökull ist eine Gletscherzunge, die in einer kleinen Lagune mündet. Hier fand ich die Veränderung besonders auffällig. Die Lagune ist auf eine erschreckende Größe angewachsen, die Gletscherzunge ist geschrumpft. Für mich war dieser Ort kaum wiederzuerkennen und stellt ein mahnendes Beispiel für den Klimawandel dar. Nahe dem Ort Vík í Mýrdal liegt die 115m hoch aufragende Halbinsel Dyrhólaey mit einem großen Felstor am Ende. Nur wenige Meter weiter liegt der Strand Reynisfjara, der durch zahlreiche Basaltsäulen viele Touristen anzieht. Ein weiteres Highlight ist die Schlucht Fjaðrárgljúfur. Sie ist etwa 2km lang und an den höchsten Stellen bis zu 100m hoch. Ein Blick über den Abgrund sorgt auf jeden Fall für Gänsehaut. Weiter Richtung Osten erwarten den Reisenden noch der Vatnajökull-Nationalpark und die Jökulsárlón. Der Nationalpark bietet zahlreiche Wanderwege, die unter anderem zu alten Bauernhäusern, einem Wasserfall und einem Gletscher führen. Die Jökulsárlón ist mit 18km² der größte Gletschersee Islands und durch die zahlreichen treibenden Eisberge definitiv einen Besuch wert.

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Von links: Sólheimajökull, Blick von der Halbinsel Dyrhólaey, Gletscher im Vatnajökull-Nationalpark

Der Süden von Island fasziniert mich immer wieder aufs Neue, auch wenn ich dieses Mal sehr überrascht von den Absperrungen und Verbotsschildern war. Sicherlich ist dies sinnvoll, auch wenn bestimmte Themen jedem Reisenden bewusst sein sollten. Viele Attraktionen befinden sich auf privaten Grund und die Besitzer müssen für Wartungs- und Reparaturarbeiten zum Teil selbst aufkommen. Leider mussten natürliche Badestellen schon geschlossen werden, da diese von Touristen nicht mit ausreichendem Respekt behandelt wurden. Herumliegender Müll ist ein häufiges Resultat. Auch die empfindliche Flora und Fauna auf Island muss geschützt werden, da es immer wieder Menschen gibt, die beispielsweise abseits der Wege laufen. Häufig wird mir das Herz sehr schwer, wenn ich Touristen sehe, die keine Rücksicht nehmen. Ich kann für die Zukunft nur hoffen, dass Island ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Natürlichkeit und der Touristenlenkung finden kann. Diese Insel ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Wer das Land bis heute nicht bereist hat, den kann ich nur dazu ermutigen, einen Abstecher in den hohen Norden zu wagen.

Jökulsárlón
Jökulsárlón

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